Cathedralis SS. Michaelis et Gudulae - Bruxellis

 

etze van de kathedraal
Darstellung der ehemaligen Kollegiatskircke St. Michael und Gudula aus: Antonius Sarderus, Chroraphia Sacra Brabantia, Tomus III, Hagae Comitum, Apud Christianum Van Lorn, 1727

Der Bau der Kathedrale (ehemalige Stiftskirche St. Michael und St. Gudula) begann Anfang des 13. Jahrhunderts auf
Betreiben von Heinrich I., Herzog von Brabant. Dieser Zeitabschnitt fàl1t mIt der Einführung des gotischen Baustils in
unse!en Regionen zusammen. Fast 300 Jahre hat es gedauert, bis dieser riesige Bau gerade vor der Regentschaft Kaiser
Karls V. vollendet wurde. Das Bauwerk weist die verschiedenen Merkmale der Brabanter Gotik auf.

Die Restaurierung des Mittelschiffs und des Querhauses (1983 bis 1989) hat den Steinen, den Gewölben und den
Kirchenfenstern ihren früheren Glanz wiedergegeben. Dabei kamen auch bedeutende und bemerkenswert, gut erhaltene
Überreste der romanischen Kirche aus dem 11. Jahrhundert zutage, auf der der jetzige gotische Bau errichtet wurde (diese
Überreste können besichtigt werden).

MlTTELSCHIFF

SEITENSCHIFFE

VIERUNG

Mit dem Rücken zum Altar sehen Sie vor sich das Farbglasfenster des "Jüngsten Gerichtes" .(1528), inspiriert yon der
Renaissance in seiner Größe und in der Lebhaftigtkeit seiner Charaktere (Künstler unbekannt). .

NÖRDLICHES QUERHAUS

Farbglasfenstervon Jean Haeck (Meisterglaskünstler aus Antwerpen), 1537 angefertigt
nach Vorlagen von Bernard van Orley, Brüsseler Künstler aus dem 16. Jahrhundert, der die ersten Merkmale der
Renaissance in unseren Provinzen eingeführt hat. Dargestellt sind Karl V. und seine Gemahlin Isabella von Portugal in
Anbetung vor dem HeiligenSakrament. Sie sind von Karl dem Großen und Elisabeth von Ungam begleitet.

Rechts von dem Portal:
elegante und anmutige Statue mitdem Mativ "Erziehung der Jungfrau Maria durch die Heilige
Anna" von Jérôme Dusquesnoy dem Jüngeren {17. Jahrhundert) nacheinem Gemälde von Rubens.

SÜDLICHES QUERHAUS

Farbglasfenster von Jean Haeck {Entwurf von Bernard van Orley), 1538 hergestellt.
.Dargestellt sind Ludwig Il. von Ungarn und seine Gemahlin Maria, eine Schwester Karls V., knieend vor der Heiligen
Dreifaltigkeit, zusammen mit dem Heiligen Ludwig und der Jungfrau mit Kind.

CHOR

LINKS VOM CHlOR: Sakramentskapelle (1534-1539) im gotischen Flammenstil. Heute als Schatzkammer eingerichtet.

RECHTS VOM CHOR: Kapelle Unserer Lieben Frau von der Errettung,(1649-1655) im spätgotischen Stil. Barockaltar
von Jan Voorspoel ( 1666). Statue von Unserer Lieben Frau von der Errettung(1592).

HINTER DEM CHOR: Magdalenenkapelle (Barock) oder Maeskapelle (1675). Passionsaltar aus Marmor und Alabaster
(1538) van Bildhauer Jean Mone.

DIE ARCHÄOLOGISCHEN ÜBERRESTE

Schon vor dem 2. Weltkrieg wurde während der Vorarbeiten zum Bau der Brüsseler Nord-Süd
Eisenbahnverbindung ein romanischer Westbau entdeckt. Der Westbau ist eine Konstruktion, die an die Westseite
romanischer Kirchen angebaut wurde, um als befestigter Zufluchtsort für die Bevölkerung im Mittelalter zu dienen.
Das ganze Fundament des Westbaus sowie einer romanischen Kirche, der Vorgängerin des jetzigen gotischen
Baus, wurden während der Restaurierungsarbeiten entdeckt (1983-1989).

Dank einiger Spiegel können Besucher das Fundament der romanischen Kirche bewundern: den Eingang (1047),
den Westbau (circa 1200), die Narthex (Vorhalle) und den großen Bogen, der die Vorhalle von dem Mittelschiff
trennte.
Die Spuren der Außenmauern, des Querhauses und der Pfeiler im Mittelschiff, sowie die des Westbaus und seiner
Türme werden durch helle Fliesen sichtbar gemacht (weißer Stein aus Vinalmont) im Gegensatz zu den grauen
Fliesen aus Tournai.
Der Boden der romanischen Kirche war 1,70 Meter niedriger als die Bodenhöhe der jetzigen gotischen Kirche.

Das Fundament des Westbaus zeigt deutlich die Stelle der runden romanischen Türme sowie den Boden an, auf
dem man den Kalk für den Bau der gotischen Kirche vorbereitete. Die Existenz von zwei Krüften bestätigt, daß
das Fundament der romanischen Kirche als Begräbnisstätte während der gotischen Zeit benutzt wurde.

DIE GROSSE GRENZING-ORGEL

Die große Orgel der Kathedrale, eingeweiht im Jahr 2000, beeindruckt durch ihre Schönheit und ihre Qualität. Sie
hängt in den Gewölben wie ein Schwalbennest. Dabei paßt sie gut zur Akustik einer gotischen Kathedrale. Diese
Art der Platzierung ist in unseren Regionen auch nicht ungewöhnlich. Man findet sie u.a. in den berühmten
gotischen Kathedralen von Chartres, Köln und Straszburg.

Die Orgel zahlt 4.300 Pfeifen, verteilt über 63 Register, 4 Manuale und ein Pedal. Der Spieltisch befmdet sich in
der Mitte und bietet Raum für einige Solisten. Die Vielseitigkeit des Instrumentes ermöglicht es, Orgelwerke der
verschiedensten Stilperioden zu Gehör zu bringen.

Das Gehäuse erweckt einen harmonischen Eindruck und paßt ideal in die gotische Architektur .

Dieses prachtvolle Instrument ist ein Werk des genialen deutschen Orgelbauers Gerhard Grenzing und seiner
spanischen Mitarbeiter aus Barcelona. Der Entwurf des Orgelgehäuses stammt vom englischen Architekten Simon
Platt.

DER NEUE HOCHALTAR

Die Errichtung des neuen Hochaltares in der Vierung war die Krönung der langjährigen Restaurierung der
Kathedrale. Kardinal Godfried Danneels weihte den Altar zum Fest Christi Himmelfahrt am 1. Juni 2000 ein.

Dieser steinerne Altar ist mehr als ein Kunstwerk. Er stellt ein Mysterium dar. Er bringt uns so nahe wie eben
möglich in das Mysterium der Person und des Werkes Jesu Christi. Er ist der Opfertisch und erinnert sowohl an
das Letzte Abendmahl als auch an das Kreuz. Der Altar ist der Tisch des eucharistischen Mahles, zu dem der Herr
sein Volk einlädt. Er ist somit auch eine Vorwegnahme des himmlischen Hochzeitsmahles.

Der Altar ist ein Werk des Bildhauers Michel Smolders, der den Stein im Steinbruch von Avins, östlich von Huy,
gehauen hat. Es ist ein Block aus feinem Granit, drei Tonnen schwer. Gemeisselt zeigt der Stein graue und weiße
Farben, poliert einen schwarzen Ton. Die gemeisselten Seiten des Steins zeigen also einen Farbwechsel in ihrem
Entwurf, während die polierte Oberseite wunderschön schwarz ist. Diese Oberseite ist markiert von fünf
eingearbeiteten Konsekrationskreuzen, eines an allen vier Ecken und eines in der Mitte. Seine Komposition, in
welcher die horizontale Linie dominiert, inspiriert sich am romanischen Symbol des Baumes, von dem ein Teil
nach oben und ein anderer nach unten zeigt. In diesem symbolischen Baum verbinden sich Erde und Himmel.